Zum Inhalt springen
Dr. med. Uwe Trinks Privatpraxis
Termin anfragen
Stoffwechsel

Insulinresistenz, und warum der Blutzucker zu spät warnt

RATGEBER · 5 MIN LESEZEIT Dr. med. Uwe Trinks

Was Insulinresistenz bedeutet

Insulin ist ein Schlüssel. Nach einer Mahlzeit gibt die Bauchspeicheldrüse es ins Blut ab, damit Muskel-, Leber- und Fettzellen Zucker aus dem Blut aufnehmen. Bei einer Insulinresistenz reagieren diese Zellen schwächer auf das Signal. Der Körper gleicht das zunächst aus, indem die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin herstellt.

Genau deshalb kann eine Insulinresistenz jahrelang unbemerkt bleiben. Der Blutzucker bleibt im Normbereich, weil ein erhöhter Insulinspiegel ihn dort hält. Auffällig wird zuerst der Aufwand, den der Körper dafür treibt, nicht das Ergebnis.

Wie eine Insulinresistenz entsteht

Eine einzelne Ursache gibt es nicht. Mehrere Faktoren wirken zusammen, und die meisten davon hängen miteinander zusammen.

  • Bauchbetontes Übergewicht, besonders das Fett zwischen den Organen
  • Bewegungsmangel, weil arbeitende Muskulatur Zucker auch ohne viel Insulin aufnimmt
  • Dauerhafter Schlafmangel und chronischer Stress
  • Genetische Veranlagung, erkennbar oft an der Familiengeschichte
  • Einzelne Medikamente, etwa eine längere Kortisonbehandlung

Zwischen Übergewicht und Insulinresistenz läuft das in beide Richtungen: Ein hoher Insulinspiegel begünstigt die Einlagerung von Fett, und eingelagertes Bauchfett verstärkt die Insulinresistenz. Dieser Kreis erklärt, warum Abnehmen mit den Jahren schwerer wird und nicht leichter.

Prädiabetes, die Zone davor

Zwischen gesundem Stoffwechsel und Typ-2-Diabetes liegt ein breiter Bereich, für den sich der Begriff Prädiabetes eingebürgert hat. Drei Laborwerte beschreiben ihn:

Nüchternglukose
100 bis 125 mg/dl
HbA1c
5,7 bis unter 6,5 Prozent
Zuckerbelastungstest
140 bis 199 mg/dl nach zwei Stunden

Ab 126 mg/dl nüchtern, ab 6,5 Prozent HbA1c oder ab 200 mg/dl im Belastungstest spricht man von einem Diabetes. Ein Punkt gehört dazu, weil er in Ratgebern meist fehlt: Für die Nüchternglukose nennen die Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft 100 mg/dl als untere Grenze, die Nationale VersorgungsLeitlinie in Anlehnung an die WHO dagegen 110 mg/dl. Ein Wert von 105 mg/dl ist also je nach herangezogenem Maßstab auffällig oder unauffällig. Und Messungen mit Teststreifen aus der Apotheke sind für eine Diagnose nicht zugelassen.

Insulinresistenz ist nicht der Insulin-Index

Die beiden Begriffe klingen verwandt und beschreiben Verschiedenes. Der Insulin-Index ist eine Eigenschaft des Lebensmittels: Er sagt, wie stark eine Portion den Insulinspiegel steigen lässt. Die Insulinresistenz ist eine Eigenschaft des Körpers: Sie sagt, wie gut die Zellen auf dieses Insulin ansprechen.

Daraus folgt eine praktische Konsequenz. Eine Ernährung nach dem Insulin-Index senkt den Reiz, auf den der Körper antworten muss. Ob jemand insulinresistent ist, lässt sich daraus aber nicht ablesen, und ein niedriger Insulin-Index ist kein Befund.

Was sich nachweislich ändern lässt

Die bekannteste Untersuchung dazu ist das amerikanische Diabetes Prevention Program. 3234 Menschen mit erhöhten Zuckerwerten wurden in drei Gruppen eingeteilt und im Mittel 2,8 Jahre begleitet. Ein Lebensstilprogramm mit dem Ziel von mindestens sieben Prozent Gewichtsabnahme und 150 Minuten Bewegung pro Woche senkte die Zahl der Neuerkrankungen an Typ-2-Diabetes um 58 Prozent gegenüber Placebo. Das Medikament Metformin senkte sie um 31 Prozent.

Zwei Einschränkungen gehören zu dieser Zahl. Sie beschreibt, wie viele Menschen keinen Diabetes entwickelten, nicht wie viele ihre Insulinresistenz verloren. Und sie stammt aus einem betreuten Programm in den USA, dessen Bedingungen sich nicht eins zu eins auf den Alltag übertragen lassen. Die Richtung ist deutlich, die genaue Höhe ist es nicht.

Wo das Thema in unserer Praxis andockt

Ob bei Ihnen eine Insulinresistenz oder ein Prädiabetes vorliegt, zeigen Laborwerte und die ärztliche Einordnung. Einen einfachen Standardtest dafür gibt es nicht. Der rechnerische HOMA-Index wird vor allem in der Forschung verwendet; die großen Fachgesellschaften empfehlen ihn nicht für die Routineversorgung, und einen allgemein anerkannten Grenzwert gibt es nicht.

In unserer Praxis liegt der Zugang zu diesem Thema in der ärztlich begleiteten Gewichtsabnahme und in der Auswahl der Lebensmittel nach ihrem Insulin-Index. Das ist ein Weg über den Lebensstil, kein Diabetesprogramm, und es ersetzt keine diabetologische Behandlung.

Mehr zum Insulin-Index steht im Beitrag Der Insulin-Index, warum Kalorien allein nicht reichen, den Ablauf in der Praxis beschreibt der Abschnitt Ärztlich begleitete Gewichtsabnahme.

Bitte beachten

Dieser Beitrag ist allgemeine Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Er beschreibt weder eine Diagnose noch eine Behandlung Ihres Einzelfalls.

Quellen

  1. Deutsche Diabetes Gesellschaft: Praxisempfehlungen „Definition, Klassifikation und Diagnostik des Diabetes mellitus“.
  2. Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes, Bundesärztekammer, KBV und AWMF.
  3. Diabetes Prevention Program Research Group: Reduction in the Incidence of Type 2 Diabetes with Lifestyle Intervention or Metformin. New England Journal of Medicine 2002, Band 346, Seite 393 bis 403.
  4. Übersichtsarbeit zum HOMA-IR und seinen Grenzen, MDCalc 2025.

Fragen zu Gewicht und Stoffwechsel?

Im Erstgespräch ordnen wir gemeinsam ein, was zu Ihrer Situation passt.

Termin anfragen